Michael Garrison ist neuer "Vize-Chef" der Dill-Schiris: "Ich bin ein Vereinsmeier"

Von Joachim Spahn
Im Januar 2001 hatte sich der gelernte Betriebsschlosser als Unparteiischer der Schiedsrichter-Vereinigung Dillenburg angeschlossen. Seit etwa sechs Monaten steht der Steinbrückener in einer ganz besonderen Verantwortung. "Ich möchte mit dafür sorgen, dass der Spielbetrieb reibungslos läuft", sagt Michael "Mike" Garrison, der seit Januar dieses Jahres das Amt des stellvertretenden Kreisschiedsrichterobmanns bekleidet.

Gemeinsam mit KSO Rainer Wendland (TuS Driedorf) ist der 43-jährige, dreifache Vater für die An- und Umbesetzung der Senioren-Spiele im Land an der Dill zuständig. Garrison: "Ich möchte meine mir zugeteilten Aufgaben innerhalb des KSA Dillenburg zuverlässig und gewissenhaft erledigen ? und dabei offen mit den anderen Mitgliedern des Schiedsrichterausschusses und den Schiedsrichtern unserer Vereinigung umgehen."

Eine schlimme Knieverletzung führte den "Vize-KSO", der in dieser Funktion die Nachfolge von Herbert Graulich (FC Merkenbach) antrat, einst zur "schwarzen Zunft". "Ich dachte damals, ich könnte nie wieder Fußball spielen", berichtet der Steinbrückener rückblickend. Um "seinen" Sport "nicht einfach so aufgeben" zu müssen, habe er sich schließlich entschlossen, Schiedsrichter zu werden.
Garrisons Stammverein ist der SSV Steinbrücken. Ein Club, dem er schon lange die Treue hält. "Als ich hierher gezogen bin, habe ich mich dem Verein angeschlossen. Ich habe hier lange gespielt und Jugendarbeit gemacht. Es gibt keinen Grund, woanders hinzugehen."

Die ersten sieben Jahre seiner SR-Tätigkeit haben dem "Mitt-Vierziger" bereits "einige schöne Erlebnisse" beschert. Garrison rückblickend: "Es gibt einige Spiele, an die ich mich gern erinnere." Dabei sei es vollkommen unwichtig, ob es sich "um Erst-Mannschafts-, Reserve-, Jugend- oder Damenspiele" gehandelt habe. "Ich kann mich beim Pfeifen auch an kleinen Dingen erfreuen", gewährt der 43-Jährige einen Einblick in sein Innenleben.

Allerdings hat Michael Garrison seit seinem Einstieg in die "schwarze Zunft" auch die Erfahrung gemacht, dass "es überall Leute gibt, die Fußball viel wichtiger nehmen als er eigentlich ist. Dabei ist und bleibt Fußball ?nur? ein Spiel." An speziellen Vorbildern orientiert sich der Steinbrückener bei seinen Spielleitungen nicht. "Jeder sollte seine eigene Linie finden", rät der gelernte Betriebsschlosser jüngeren Unparteiischen.

Ungeachtet der Tatsache, dass "überall da, wo es positive Erfahrungen gibt, auch negative Dinge geschehen", kann Michael Garrison jüngeren Fußballfreunden nur raten, sich den "Schwarzkitteln" anzuschließen. "Als engagierter Spielleiter hat man ganz andere Möglichkeiten als als Spieler." Außerdem lerne man als Unparteiischer "unheimlich viele nette Leute kennen". Zu guter Letzt sei die Schiedsrichterei auch "für die Persönlichkeitsbildung nicht unbedingt von Nachteil".

Der Einstieg in seine arbeitsreiche Tätigkeit als stellvertretender Kreisschiedsrichterobmann ist Garrison nicht schwergefallen. "Mir macht es Spaß, am PC zu arbeiten", kommentiert er die Anforderungen, die für die Dill-Schiris mit der Umstellung auf das DFB-Net einhergingen. Außerdem, so der 43-Jährige weiter, sei es "schön zu sehen, wenn am Wochenende alle Spiele mit Schiedsrichtern über die Bühne" gehen würden, die man selbst angesetzt habe.
Schließlich ? so räumt der neue "Vize-KSO" abschließend mit einem selbstironischen Augenzwinkern ein ? sei er "auch ein Vereinsmeier, der sich offensichtlich "gerne Arbeit" mache. Und das obwohl neben der Schiedsrichterei sowie Musik hören und Mountainbike fahren auch Faulenzen zu den Hobbys des Steinbrückeners gehört.

Eine Freizeit-Tätigkeit, die in den nächsten dreieinhalb Jahren sicherlich noch das ein oder andere Mal zu kurz kommen wird . . .

Bu: Brüten über dem Regeltest: Wie etwa 50 andere Dill-Schiris auch hat der neue stellvertretende Kreisschiedsrichterobmann Michael Garrison (links) im Frühjahr 2008 die Kreis-Leistungsprüfung abgelegt.  Bild: Rolf Weichbold

Christian Hofheinz (19) über sein Erfolgsrezept: "Man muss immer dazu lernen wollen"

Im März 2002 hatte sich der Sechsheldener der "schwarzen Zunft" angeschlossen. Knapp vier Jahre später zählt er zu den besten Unparteiischen des Fußball-Bezirks Gießen-Marburg. "Einen guten Schiedsrichter zeichnet aus, dass er immer bereit ist, dazu zu lernen", sagt Christian Hofheinz. Wie der Simmersbacher Florian Hermann hat der 19-jährige Gymnasiast am Ende der Meisterschaftsrunde 2005/2006 den Sprung in die Riege der Bezirksoberliga (BOL)-Schiris geschafft. Ein toller Erfolg, den er auch auf die Unterstützung zurück führt, die ihm "speziell durch den Lehrstab um Roland Horschitz und Jens Rometsch" zuteil wurde.

Auf Anregung von Gerhard Küster, mittlerweile passives Mitglieder der SR-Vereinigung Dillenburg, hatte sich Christian Hofheinz einst der Riege der Unparteiischen angeschlossen. "Er hat das Interesse bei mir geweckt", sagt der frischgebackene BOL-Referee rückblickend.

Zwar habe er sich bei den ersten Spielleitungen "viel Kritik von den Betreuern anhören" müssen. Kollegen wie Gerhard Küster freilich hätten ihn in dieser Phase immer "unterstützt" und ihm mit wertvollen Tipps zur Seite gestanden.
Da sich der Sechsheldener, der für "seinen" SSV dem runden Leder nachjagt und für den Tennisverein des Haigerer Stadtteils das Racket schwingt, auch von "negativen Erfahrungen wie ein bis zwei Beobachtungen mit einem schlechten Bogen" nicht von seinem sportlichen Weg abbringen ließ, hat er am Ende der vergangenen Spielzeit erst einmal die Früchte seiner Bemühungen geerntet.
"Für mich kam der Aufstieg doch etwas überraschend", berichtet Christian Hofheinz rückblickend. Nach einer ersten "so ziemlich in den Sand gesetzten Beobachtung" hätten ihn schließlich mehrere Schiedsrichter-Kameraden dazu ermutigt, "nicht aufzustecken und noch mal anzugreifen".

Wertvolle Anregungen bei einem Fortbildungslehrgang in Grünberg ("Die Hauptthemen deckten sich mit meinen Fehlern bei der ersten Beobachtung."), eine erfolgreich absolvierte Bezirksleistungsprüfung ("Im Vorfeld habe ich dafür hart trainiert und unzählige Regelfragen ?durchgeackert?.") und vor allem die Hilfestellung durch sein "Vorbild Ralf Viktora" seien weitere Meilensteine auf dem Weg in die Bezirksoberliga gewesen. Der Sechsheldener dankbar: "Ralf steht mir immer zur Seite und unterstützt mich, sofern ich irgendwelche Probleme habe."

Beispielhaft sei vor allem "die ruhige Art und Weise, wie Ralf seine Spiele" leite. Der frischgebackene BOL-Schiri anerkennend: "Er schafft es meist, ohne persönliche Strafen ein Spiel ruhig und erfolgreich über die Bühne zu bringen. Speziell in dieser Hinsicht kann ich von Ralf noch viel lernen."
Für seine erste Saison im Oberhaus des Fußball-Bezirks Gießen-Marburg hat sich Christian Hofheinz, der bei der Ausübung seines Hobby auf die Unterstützung seiner Freundin Katharina zählen kann, zunächst einmal vorgenommen, "die Klasse zu halten und nicht abzusteigen".

Ferner hofft der 19-Jährige auf die Aufnahme in den Junioren-Kader des Hessischen Fußball-Verbands, um sich "mit guten Leistungen auf Lehrgängen" und bei Spielleitungen "für die Verbandsliste empfehlen" zu können.
Der Ausblick des Sechsheldeners: "Wenn man so einen Schiedsrichter in der Vereinigung hat wie Ralf Viktora, möchte man auch irgendwann einmal in ähnlichen Klassen aktiv sein."

Mathias Weyel (SSG Breitscheid): "Mein Vorbild heißt Lutz Wagner"

Im März 2001 hatte sich der Burger der Schiedsrichter-Vereinigung Dillenburg angeschlossen - knapp vier Jahre später ist er in die Bezirksliga aufgestiegen: "So viel wie möglich zu lernen", das hat sich Mathias Weyel für seine erste Spielzeit als Spielleiter in der Fußball-Bezirksliga vorgenommen.

Als sportliches Vorbild dient dem angehenden Werkzeugmechaniker kein Geringerer als Hessens Top-Referee Lutz Wagner. Mathias Weyel erläuternd: "Wenn man die von ihm geleiteten Fortbildungslehrgänge besucht, ist das schon beeindruckend."

Der passionierte Bayern-Fan, der - wenn er "mal nicht gerade auf dem Sportplatz ist oder arbeitet" - gerne mit Freunden feiert, ist für die SSG Breitscheid als Unparteiischer aktiv. Schlimme Erfahrungen hat der 19-Jährige in der Zeit seiner aktiven Tätigkeit als Spielleiter noch nicht gemacht. Als erfreulich wertet es der Azubi hingegen, dass er "zunächst im Förderkader" auf Kreisebene war - und schon kurze Zeit später auf Bezirksebene unter Beobachtung steht.

"Ich bin ein leidenschaftlicher Fußballer", antwortet Mathias Weyel auf die Frage, warum er sich der schwarzen Zunft angeschlossen habe. "Für den Trainer-Job war ich damals zu jung. Spielt man selbst, geht das auch nicht lang gut, weil dann die Knochen bald kaputt sind."

Auf der Schiedsrichter-Karriereleiter soll es für den angehenden Werkzeugmechaniker aus Burg Stufe für Stufe nach oben gehen: "Ich will so hoch kommen wie möglich", sagt der 19-Jährige kämpferisch. Na denn: Viel Glück!

Ralf Viktora zählt zu Hessens besten Schiedsrichtern: "Man muss seinen Weg gehen"

Der Höhepunkt seiner mittlerweile fast 18-jährigen Schiedsrichter-Karriere liegt noch nicht all zu weit zurück. An einem verregneten Abend im Oktober assistierte der Oberndorfer dem Hofheimer Bundesliga-Schiri Lutz Wagner bei der Leitung der DFB-Pokal-Partie Freiburg gegen Dortmund (3:0) ? und überzeugte die Fußball-Fans bundesweit, weil via TV in die deutschen Wohnstuben übertragen, davon, dass er sein Handwerk versteht. "Dieses Spiel war bisher das absolute Highlight für mich", sagt Ralf Viktora.

Die Begegnung sei vor allem "wegen dem ganzen Drumherum interessant" gewesen, erinnert sich der für den SSV Dillenburg pfeifende Unparteiische, der seit drei Jahren als Obmann an der Spitze der SR-Vereinigung Dillenburg steht. Dass die Fernseh-Kameras eine brisante Abseitsentscheidung noch zu seinen Gunsten auflösten, rundete damals einen erfolgreichen Einsatz ab.

"Ein Erfolgsrezept gibt es nicht", kommentiert der als Organisator bei der Sparkasse tätige Spielleiter seinen sportlichen Werdegang, der 1985 mit dem Bestehen der SR-Prüfung begann. Initiiert worden war seine Teilnahme am Neulingslehrgang durch Josef Passauer, zu dieser Zeit Jugendleiter des SSV Dillenburg. "Nachdem ich als Jugendspieler immer über die Entscheidungen der Schiris gemeckert hatte, hat er mich kurzfristig für den Neulingslehrgang angemeldet." Was folgte, war ein fast beispielloser sportlicher Aufstieg: Nachdem Viktora 1988 erstmals Spiele der Senioren geleitet hatte, schaffte er bereits sieben Jahre später den Sprung in die Landesliga. 1996 zählte der Siegbacher schließlich zur hessischen Spielleiter-Elite (Oberliga), ehe er 1999 den Sprung in die Regionalliga feiern konnte. Im Jahr zuvor war der Chef der Dill-Schiris erstmals als Assistent in der 2. Bundesliga zum Einsatz gekommen.

"Man muss seinen Weg gehen und darf sich auch durch Rückschläge nicht von diesem Weg abbringen lassen", meint Viktora, auf dessen Konto mittlerweile 30 Spielleitungen in der Regionalliga und fast 50 Zweitliga-Assistenten-Einsätze stehen.

Längst schon versucht der 31-Jährige seine Erfahrungen an ältere und jüngere Schiedsrichter weiter zu geben. 1993 avancierte er zum stellvertretenden Lehrwart in der SR-Vereinigung Dillenburg. Seit Juli 2001 gehört Ralf Viktora dem Lehrstab des Hessischen Fußball-Verbandes an.

Zwar habe er "keine speziellen Förderer" gehabt. "Viel gebracht" habe ihm jedoch die Tätigkeit als Assistent bei Roland Horschitz, Karl-Bernd Kring, Siegfried Teschauer und Burkhard Dillmann. "Man muss sich von allen Schiedsrichtern, bei denen man mal winkt, die guten Sachen abschauen", rät Viktora. Man dürfe jedoch nicht versuchen, jemanden zu kopieren.

Ob dem Höhepunkt im Freiburger Dreisamstadion ähnliche Highlights folgen werden, ist zwar noch nicht absehbar. Da der Oberndorfer sich jedoch vorgenommen hat, "so lange, wie es geht, auf diesem Niveau weiter zu machen", wird er wohl noch manches Mal im Scheinwerferlicht der Kameras stehen.

Helmut Metz machte die 60 "Lenze" voll "Begeisterter Fußball-Anhänger" jetzt im "Club der Sechziger"

"Von frühester Jugend an" ist der ehemalige Technische Bauleiter der Deutschen Bundespost "ein begeisterter Fußball-Anhänger". Jetzt machte der gebürtige Donsbacher die 60 "Lenze" voll: Helmut Metz, stellvertretender Fußballwart des Kreises Dillenburg und seit 42 Jahren Mitglied der Schiedsrichter-Vereinigung, konnte am 2. Oktober 2007 seinen 60. Geburtstag feiern.
Als der "Vize-Chef" der Dillkreis-Kicker vor wenigen Monaten wegen einer schweren Herzoperation ins Krankenhaus musste, hielten die Ballbeweger aus dem Landstrich an der Dill besorgt den Atem an. Mittlerweile freilich ist Helmut Metz, der in den vergangenen Jahrzehnten in seinem Heimatverein SSV Donsbach und im Kreis Dillenburg zahlreiche Ämter bekleidete, wieder soweit genesen, dass er seinen Einsatz für den Fußballsport (fast) uneingeschränkt fortsetzen kann.

"Ich engagiere mich für diesen Sport, weil ich ihn als sehr geeignet für die soziale Bildung unserer Jugend ansehe", sagt der Jubilar, der seit 1978 mit der ehemaligen Damenfußball-Referentin im KFA Dillenburg, Angelika Moos (heute: Angelika Metz), glücklich verheiratet ist. "Der Mannschaftssport", so meint Helmut Metz, sei "besonders geeignet, sein Können in den Dienst des Ganzen zu stellen" ? und ergänzt: "Da sich Abwehr und der Sturm ergänzen, ist jeder für den Erfolg oder Misserfolg mitverantwortlich."

Der Donsbacher, der auch Inhaber der Organisationsleiter-Lizenz des Hessischen Landessportbunds ist, hat sich in den vergangenen Jahrzehnten freilich nicht nur in der "Mannschaft" des Dillenburger Kreisfußballausschusses engagiert in Szene gesetzt. In seinem Heimatverein war Helmut Metz lange Jahre aktiver Spieler (Jugend und Senioren), ehe er als Beitragskassierer, Jugendbetreuer, Beisitzer, Jugendleiter, Geschäftsführer und Spielausschussobmann sowie von 1998 bis 2000 schließlich als Vorsitzender wirkte.

Im Dillenburger Kreisfußballausschuss arbeitete er zunächst als Beisitzer im Jugendausschuss (1974 bis 1976), ehe er in den darauffolgenden Jahrzehnten als Kreis-Kulturwart, -Pressewart, stellvertretender -Rechtswart und -Rechtswart (1997 bis 2003) tätig war. Seit 2003 ist Helmut Metz "Vize-Chef" der Dillkreis-Kicker und Stellvertreter von Fußballwart Martin Seidel.
Der Donsbacher engagiert sich freilich auch politisch: Im Ortsbeirat des Dillenburger Stadtteils wirkte er lange Jahre als Ortsvorsteher. Seit dem Jahr 2001 gehört Helmut Metz der Fraktion der Sozialdemokraten im Kreistag des Lahn-Dill-Kreises an.

Apropos Fußball-Begeisterung: Nicht so angetan ist das neue Mitglied im "Club der Sechziger" von der Entwicklung, die der "große Fußball" in den letzten Jahren genommen hat. "Am Profifußball stört mich, dass es sich bei den Spielern heute praktisch um Kleinunternehmer handelt." Diese würden demzufolge dort spielen, wo "sie den meisten Gewinn erzielen können". Metz bedauernd: "Die früher vorhandene Vereinsbindung der Spieler ist heute fast nicht mehr vorhanden." Da der Profi-Sport eine Vorbildfunktion habe, werde das Gebaren der Berufskicker leider "von den Amateuren nachgeahmt".

Seinen 60. Geburtstag feierte Helmut Metz am 2. Oktober mit vielen Freunden, Bekannten und Verwandten im Donsbacher Dorfgemeinschaftshaus. Der Jubilar ist Träger der Goldenen HFV-Ehrennadel, der Goldenen Vereins-Ehrennadel des SSV Donsbach, des Ehrenbriefs des Landes Hessen und der Sportmedaille der Stadt Dillenburg ? und, so der Wunsch der Fußball-Freunde und Schiedsrichter im Landstrich an der Dill, hoffentlich noch viele Jahre für die Kicker aus dem ehemaligen Dillkreis tätig.

Horst Lommler ist seit 53 (!) Jahren Schiedsrichter: 71 ? und noch "fit wie ein Turnschuh"

In der Saison 1954/55 fand der gebürtige Herborner den Weg zur "schwarzen Zunft". "Damals", so erinnert sich der Vater zweier Töchter, "habe ich bei Lehrwart Heinz Hofmann meine Prüfung abgelegt". 53 Jahre später ist Horst Lommler eines der "dienstältesten" Mitglieder der Schiedsrichter-Vereinigung Dillenburg. Und obwohl der Hörbacher in seiner langen Karriere als Unparteiischer (fast) alles erreicht hat, denkt er nicht daran, die Pfeife als aktiver Spielleiter aus der Hand zu legen: "Mir macht das immer noch Spaß. Solange die Gesundheit mitspielt, mache ich weiter."

Durch seinen Vater Ernst Lommler, einst ebenfalls aktiver Schiedsrichter im Landstrich an der Dill, fand der heute 71-Jährige vor über einem halben Jahrhundert fast automatisch den Weg zu den "Schwarzkitteln". "Ich bin immer mit meinem Vater auf den Sportplatz gefahren", berichtet Horst Lommler. "Damals wurde das alles mit dem Fahrrad gemacht."

Nachdem er seine Schiedsrichter-Prüfung im Gasthaus beim "Finchen" am Dillenburger Obertor gemeinsam mit "sechs bis acht weiteren Kameraden" bestanden hatte, begann eine abwechslungsreiche Schiri-Laufbahn, an die sich der Hörbacher gerne zurück erinnert. "Das Positive überwiegt."

Vor allem über seine ersten Jahre in der "schwarzen Kluft" weiß Horst Lommler allerhand zu berichten. "Am Anfang waren die Schiedsrichter des Dillkreises noch in eine Nord- und in eine Südgruppe eingeteilt. Die monatlichen Pflichtversammlungen fanden zumeist in einer Gaststätte in Dillenburg statt."

Bei Wind und Wetter war der zunächst für den FC Hörbach pfeifende Spielleiter ("Mehr als 40 bis 50 aktive Schiedsrichter hatte unsere Vereinigung zu dieser Zeit nicht.") mit dem Rad, mit dem Zug, dem Moped oder einem Kabinenroller zu den Spielorten unterwegs. Lommler rückblickend: "Man ist viel rumgekommen und hat Land und Leute kennen gelernt."

Dank guter Leistungen stieg Horst Lommler Ende der sechziger Jahre bis in die Gruppenliga ? die heutige Landesliga ? auf, in der er bis Ende der siebziger Jahre als Schiedsrichter aktiv war. Als Assistent des unvergessenen Heinz Nix war der gelernte Modellschlosser, der später als Reparatur- und Maschinenschlosser und am Ende seiner beruflichen Laufbahn 17 Jahre als Rettungssanitäter arbeitete, in der Hessenliga und damit im gesamten Bundesland unterwegs. Oft an seiner Seite war dann auch seine Ehefrau "Mary", mit der Horst Lommler seit 1961 verheiratet ist. "Das war eine sehr schöne Zeit. Wir sind viel rumgekommen", berichtet "Mary" Lommler, die heute mit ihrem Horst die Hälfte eines jeden Kalenderjahres in einem schmucken Ferienhaus 60 Kilometer südlich von Alicante (Spanien) verbringt.

Als "Irrglaube" tut der Hörbacher, der seit 1994 für den FSV Oberroßbach pfeift und 2005 zum Ehrenmitglied der Schiedsrichter-Vereinigung Dillenburg ernannt wurde, die Vermutung ab, dass es ein Schiri heute schwerer habe als früher. "Da es kein Fernsehen gab, kannten früher weder die Zuschauer noch die Spieler die Regeln richtig. Das hat es dem Schiedsrichter nicht gerade einfach gemacht." Schlägereien auf dem Sportplatz ("Dillenburg war ein heißes Pflaster.") seien nicht gerade selten gewesen. Anders als heute sei in den Spielen der damaligen Zeit "Kampf überwiegend Trumpf" gewesen. "Früher wurde mehr gebolzt", berichtet Lommler, der fast ein Jahrzehnt lang die Unparteiischen der Schiedsrichter-Vereinigung Dillenburg als Lehrwart schulte und ausbildete.

Apropos Ausbildung: Ein guter Schiedsrichter, so sagt der Hörbacher, "müsse den Spielern in den ersten 10 Minuten eines Spiels zeigen, wer ?Chef im Ring? ist" ? und sich auch darüber im Klaren sein, dass man "einfach nicht alles sehen", sondern nur nach bestem Wissen und Gewissen handeln und pfeifen könne. Dass er trotz seiner 71 Jahre noch "fit wie ein Turnschuh" ist, stellt der Hörbacher Jahr für Jahr bei der Kreis-Leistungsprüfung unter Beweis, die er auch 2007 wieder problemlos bestand.

Dank dieses Engagements könnte Horst Lommler daher - bevor es ihn im Oktober oder November 2007 wieder zurück in sein Ferienhaus nach Alicante zieht ? noch in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum feiern: "Noch ein paar Spielleitungen ? dann habe ich die 2000 Spielleitungen voll."

Haigerer verstärkt seit 1998 die Dillkreis-Schiris: Sven Kraft (23): "Es wäre schön, mal höherklassig zu pfeifen"

Der Berichterstatter war von der Leistung des 23-jährigen Haigerers überaus angetan: "Kraft, als Assistent bis zur Landesliga und auf dem Platz bis zur Kreisklasse zum Pfeifen berechtigt, machte seine Sache an der Fürther Linie trotz vollem Magen gut", würdigten die "Fürther Nachrichten" in ihrer Ausgabe vom 24. Juli den unverhofften Linienrichter-Einsatz ? der der fast neunjährigen SR-Karriere von Sven Kraft im Sommer 2006 zweifelsohne die Krone aufsetzte.
Der gelernte Einzelhandels-Kaufmann, seit dem Frühjahr 1998 für die "schwarze Zunft" tätig, weilte vor dem Testspiel zwischen Zweitligist SpVgg Greuther Fürth und der kuwaitischen Nationalmannschaft unter den 1500 Zuschauern ? als plötzlich ein zweiter Assistent für das Unparteiischen-Gespann gesucht wurde.
 
Der Chronist der "Fürther Nachrichten" beschreibt die Geschehnisse so: "Mit 15 Minuten Verspätung wurde die Partie angepfiffen, da der eingeteilte Schiedsrichter Helmut Fleischer nicht erschienen war. Für ihn sprang Linienrichter Thomas Stein ein. Per Stadiondurchsage wurde ein weiterer Assistent gesucht und mit Sven Kraft gefunden." "Der Hesse", so heißt es in der Ausgabe der Zeitung vom 24. Juli weiter, "zu Besuch bei seinem Vater in Fürth, hatte es sich gerade auf der Haupttribüne mit Bier und einer Wurst gemütlich gemacht, da schlug seine große Stunde." In den folgenden neunzig Minuten sahen die Fans im Playmobil-Stadion einen klaren 6:1 (5:0)-Erfolg ihrer "SpVgg" gegen den 54. der Weltrangliste ? und eine überzeugende Darbietung des aus Haiger stammenden Linienrichters, der im März/April 1998 im Niederschelder Sportheim von Lehrwart Roland Horschitz und seinem damaligen Stellvertreter Ralf Viktora zum Schiedsrichter ausgebildet worden war. Kraft rückblickend: "Roland und die anderen dachten damals, ich wäre erst 12 Jahre alt, weil ich so jung aussah, und meinten, ich hätte mich bestimmt im Sportheim vertan."

Nachdem dieser Irrtum aufgeklärt war, bestand der damals 14-jährige Haigerer die Prüfung "mit leider nur 94 Punkten" ("Ich habe eine Frage übersehen.") und pfiff am 21. April 1998 mit der D-Junioren-Partie zwischen Sechshelden und Simmersbach sein erstes Spiel. "Ich erinnere mich an nicht ganz so viel Unterstützung als Jung-Schiri", berichtet Kraft. Vor allem zu Beginn seiner Tätigkeit als Unparteiischer sei er daher froh gewesen, dass sein Vater "öfters dabei war". Der für die Haigerer "Eintracht" tätige Unparteiische dankbar: "Er hat mir immer Ratschläge gegeben und mich auch aufgebaut." Svens Vater Wolfgang, lange Zeit für den Oberligisten Eintracht Haiger tätig, kümmerte sich damals um den Sportplatz auf dem "Haarwasen". Sein erstes Seniorenspiel leitete Sven Kraft, der ehrenamtlich im "Teenkreis" sowie im Haigerer Jugendzentrum "Kreaktiv" mitarbeitet, am 14. Mai 2000 in Dillbrecht. Drei Monate später stand der Angestellte eines Oberbieler Sporthauses schließlich erstmals an der Linie in Hausen/Fussingen "seinen Mann". Als Assistent von Burkhard Dillmann galt es gleich, ein turbulentes Spiel über die Bühne zu bringen: "Ein 6:6 mit vier Platzverweisen ? das war damals als Neuling schon ein Highlight."
Höhepunkte dieser Art erhofft sich Sven Kraft ? der bis jetzt ungefähr 200 Spiele geleitet hat ? auch für seine weitere Schiedsrichter-Karriere: "Schön wäre es, auch mal höherklassig zu pfeifen", sagt der 23-Jährige vorausschauend.

Ob jedoch noch einmal ein Ereignis kommen wird, das seinen Einsatz im Fürther Playmobil-Stadion toppen kann, bleibt abzuwarten.