Ein Schiri, der das Liedgut liebte: Trauer um Helmut Heuser

Zu der Zeit, in der sich der einst für den SV Herborn aktive Unparteiische den Schiris anschloss, zog der Amateurfußball im Landstrich an der Dill die Fans noch in Massen an. „Wenn Herborn gegen Dillenburg spielte, kamen 4500 Zuschauer“, erinnerte sich Helmut Heuser vor wenigen Jahren zurück.

„Viel zu spät Schiedsrichter geworden“

„Ich bin eigentlich viel zu spät Schiedsrichter geworden“, sagte der Verstorbene einmal. Nach der Rückkehr aus dem Krieg, in dem er bei der Marine Dienst tat, schloss sich der auch im höchsten Alter noch sehr agile Herborner am 1. Januar 1959 der „schwarzen Zunft“ an. „Damals war ich schon 37 Jahre alt.“ Anlässlich des Winterfestes im Jahr 2009 war Helmut Heuser für seine 50-jährige Treue zu den heimischen Spielleitern zum Ehrenmitglied ernannt worden.

Viel zu erzählen hatte er stets, wenn man sich mit ihm über den Amateurfußball früher und heute unterhielt. „Früher gab es für Fußball-Interessierte nichts anderes, als zum Gucken auf den Sportplatz zu gehen. Heute dagegen schauen viele Fußball nur im Fernsehen“, bedauerte Heuser.

Der am 2. Januar 1922 geborene Herborner, der einen Teil seines Lebens auch im oberhessischen Ortenberg verbrachte, konnte sich stets noch gut an die Zeit erinnern, in der der einst ruhmreiche SV in Hessens höchster Spielklasse um Punkte und Platzierungen wetteiferte. „Zu den besten Spielern dieser Herborner Mannschaft gehörte mit Heinz Nix auch ein ehemaliger Schiedsrichter, der leider viel früh verstarb.“

Erinnerungen an die „Hoch-Zeit“ des Amateurfußballs

Vor dem Wechsel auf den Rehberg hätten die Fußballer aus der Bärenstadt auf einem Schießplatz ihre Kräfte mit der Konkurrenz gemessen. Das war die „Hoch-Zeit“ des heimischen Amateurfußballs, die – so sagte Heuser bedauernd – nicht mehr zurück kommt. „Heute geht es sowieso nur noch ums Geld.“

Zwar fuhr das verstorbene Ehrenmitglied der Schiedsrichtervereinigung Dillenburg in den letzten Jahren seines langen und ereignisreichen Lebens kein Auto mehr, sonst aber fühlte sich Helmut Heuser all die Jahre noch „fit wie ein Turnschuh“ – und war unter anderem lange Mitglied der Bewegungsgruppe „Tanzen im Sitzen“, die sich seit 2014 im AWO-Mehrgenerationenhaus Herborn trifft.

In seinem verdienten Ruhestand, in den der Bärenstädter nach zuletzt 15-jähriger Tätigkeit bei der Herborner Firma „Windorf und Sohn“ (Großhandlung für Friseurbedarf) trat, interessierte sich Helmut Heuser nicht nur als passives Mitglied für die Schiedsrichter-Vereinigung Dillenburg. „Ich bin auch Mitglied bei der hiesigen Marinekameradschaft“, berichtete der Jubilar. „Dort treffen wir uns regelmäßig, um zu singen und Erinnerungen auszutauschen.“

Wie viele Fußball-Vereine im Amateurbereich, denen es mehr und mehr an aktiven Spielern mangelt, hat auch die Marinekameradschaft Nachwuchssorgen. „Leider will keiner mehr singen. Wir finden keine neuen Mitglieder mehr“, bedauerte der Schiri, der das Liedgut liebte.

Helmut Heuser ist am 21. Juli 2016 verstorben. Die Schiedsrichtervereinigung Dillenburg trauert mit seinen Angehörigen und wird ihrem verstorbenen Ehrenmitglied ein ehrendes Andenken bewahren.

Text und Bilder: Joachim Spahn

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