Lutz Wagner: „Ihr könnt stolz auf das sein, was Ihr leistet“

„Ihr könnt stolz auf das sein, was Ihr leistet“, rief der Lehrwart des Hessischen Fußball-Verbandes den heimischen Referees zu. Gleichzeitig jedoch sei überaus bedauerlich, dass ein Schiedsrichter mittlerweile „mehr Streetworker und Sozialarbeiter als Spielleiter“ sei. Wagners Erkenntnis: „Wir haben oft mehr mit der fehlenden Kinderstube von Spielern und Trainern zu tun als mit sportlichen Dingen.“

Im Zuge seines Referats hielt das Mitglied des Verbandsschiedsrichterausschusses gleichermaßen Tipps für erfahrene wie für junge Unparteiische parat. Sein Ratschlag an die aufmerksamen Zuhörer: „Man muss nicht nur an seinen Schwächen arbeiten, sondern auch dafür Sorge tragen, dass die eigenen Stärken nicht zurückgedrängt werden.“

Lob für faire EURO 2008

Der Bundesliga-Referee blickte unter dem Leitgedanken „Licht und Schatten“ zunächst noch einmal auf Vorkommnisse während der Fußball-Europameisterschaft 2008 zurück. Seine Einschätzung des Turniers: „Es hat selten so eine wichtige Veranstaltung gegeben, bei der es so fair zuging.“

Anschließend verdeutlichte Wagner seinen Zuhörern, dass „alles, was ein Schiedsrichter tut, Signalwirkung für den weiteren Verlauf des Spiels hat“. Mit Nachdruck machte er in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam, dass „oftmals nicht die Entscheidung“ als solche das Wichtigste sei, sondern deren Vorbereitung. „Wenn die erste Gelbe Karte in einem Spiel passt, spart Ihr Euch im weiteren Verlauf vielleicht die ein oder andere persönliche Strafe“, so das Beispiel des hochkarätigen Referenten.

Der dienstälteste Bundesliga-Schiri riet seinem Publikum, vor allem den jungen Unparteiischen, zu vielen Spielleitungen, „um wichtige Abläufe automatisieren zu können“. Der Hofheimer Top-Schiedsrichter eindeutig: „Ständiges Dazulernen muss unser Bestreben sein.“

Rein regeltechnisch ging Wagner ausführlich auf Fragen der Abseitsbeurteilung, Entscheidungen nach Ellenbogenvergehen und Unsportlichkeiten sowie auf „kritische Spielfeldbereiche“ ein. „Bei Schiedsrichtern, die alleine und nicht im Gespann pfeifen, ereignen sich die meisten Fehler, je weiter man von der vom Schiri zu laufenden Diagonalen weg geht“, erläuterte der HFV-Lehrwart. Darüber hinaus sei es „selbstverständlich, dass ein junger Schiedsrichter anfänglich mehr persönliche Strafen bei seiner Spielleitung“ benötige „als ein erfahrener Unparteiischer“.

Der Referent wünschte seinen Zuhörern „möglichst stressfreie Spielleitungen“ und riet ihnen, auf Unwägbarkeiten vorbereitet zu sein. „Wenn ein Schiedsrichter sich überraschen lässt, ist das immer schlecht“, sagte Wagner. Zum Umgang mit dem Mannschaftsverantwortlichen an der Linie riet der erfahrene Unparteiische dem aufmerksamen Publikum „nicht zu kleinlich“ zu sein, sich aber auf keinen Fall auf der Nase herumtanzen zu lassen. „Wenn ein Trainer gar nicht mehr auf den Schiri hört, muss er weg.“

Appell, mehr für den Schiedsrichter-Erhalt zu tun

Abschließend forderte Lutz Wagner mit Blick auf den bevorstehenden Jahreswechsel für 2010 „mehr Respekt“ gegenüber dem Unparteiischen ein und wünschte sich insgesamt „weniger Risikospiele“. Den Verantwortlichen im Dillenburger Kreisschiedsrichterausschuss schließlich gab er die Bitte mit auf den Weg, sich nicht etwa verstärkt um die Rekrutierung zusätzlicher Spielleiter, sondern um den Erhalt derer zu kümmern, die schon als Schiri aktiv seien. Der Verbandslehrwart abschließend: „Wir müssen uns noch mehr um die kümmern, die bereits Schiedsrichter sind.“

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