„Der Alkohol ist viel zu nah am Sport“ – Vorsitzender der heimischen Fußball-Trainer unterstützt „BOB“-Kampagne der Polizei

Im Herbst 2007 hatte das Polizeipräsidium Mittelhessen die Aktion gestartet, deren Ursprungsland Belgien ist – und bei der es den Beamten durch vermehrte Aufklärung und eine enge Zusammenarbeit mit der Gastronomie und anderen Partnern vor allem darum geht, jene schlimmen „Disco-Unfälle“ zu verhindern, die sich viel zu oft mit schrecklichen und tragischen Folgen ereignen. Bei der „BOB“-Kampagne ist die Polizei auch auf die Mithilfe von Firmen, Feuerwehren und Vereinen angewiesen. Kein Wunder also, dass die Beamten des Regionalen Verkehrsdienstes – so Klingelhöfer – von seinem Vorschlag, eine Info-Veranstaltung für B- und A-Junioren-Kicker zur Verkehrssicherheitsaktion zu organisieren, „sofort begeistert“ waren.

Hinter dem Fantasienamen „BOB“ verbirgt sich ein ganz wichtiger Job – nämlich der des Chauffeurs, der in abendlicher Runde beim Kegeln, in der Disco oder eben im Sportheim die Finger vom Alkohol lässt und sich dann mit 0,0 Promille nach einem feuchtfröhlichen Treffen im Kreise seiner Freunde hinter’s Steuer setzt, um seine Kumpels sicher nach Hause zu bringen. Der Chauffeur ist an einem gelben „BOB“-Schlüsselanhänger erkennbar. Ein Utensil, das Horst Klingelhöfer, der seit weit mehr als einem Jahrzehnt an der Spitze der heimischen Fußball-Trainer steht, auch in den heimischen Sportheimen gerne viel öfter sehen würde – denn, so die Erfahrung des Bickeners: „Der Alkohol ist viel zu nah am Sport. Vor allem das Image des Fußballs ist in dieser Hinsicht verbesserungsbedürftig.“

Wie wichtig die Initiative des Kreisfußballausschuss-Mitglieds und Koordinators für Qualifizierung (KFQ) ist, zeigt ein Blick in die Statistik: Obwohl der Anteil der 18- bis 24-Jährigen an der Gesamtbevölkerung bei acht Prozent liegt, ist diese Altersgruppe fast an jedem dritten Verkehrsunfall beteiligt. Zwischen Januar 2006 und Juni 2007 gab es allein im Lahn-Dill-Kreis 120 dieser Karambolagen – allesamt mit jungen Leuten, die ausschließlich auf den Einfluss von Alkohol und/oder Drogen zurückzuführen waren. Bei diesen Unfällen wurden 82 Fahrer und Insassen zum Teil schwer verletzt.

„Alkohol im Jugendfußball muss out sein!“

„Der Fußball muss zeigen, dass er die Bedeutung dieses Themas erkannt hat“, sagt Klingelhöfer, dem vor allem das so genannte „Frust-Saufen im Jugendbereich“ ein Dorn im Auge ist. „Ich habe den Verdacht, dass viele leider nur ins Training gehen, um sich hinterher gemeinsam zu betrinken.“ Jungen Menschen, die alkoholisiert einen Unfall verursachen würden, müsse deutlich gemacht werden, dass eine solche Karambolage, die finanziellen Auswirkungen und der mögliche Verlust des Führerscheins zur Gefährdung des Arbeitsplatzes und „zum sozialen Abstieg führen“ könnten.

„Alkohol im Jugendfußball muss daher out sein“, fordert der Gebiets-Verkaufsleiter einer Herborner Firma. „Schließlich gibt es genügend nicht alkoholische Getränke.“ Besondere Adressaten der Aktion, die Klingelhöfer mit einem A- und B-Junioren-Kreisauswahl-Spiel am kommenden Freitag (24. Juli) in Langenaubach und einem anschließenden öffentlichen Info-Abend des Regionalen Verkehrsdienstes ab 20 Uhr im dortigen SSV-Sportheim einläutet, sind die Betreuer der Nachwuchsmannschaften. „Die Jugendtrainer müssen wissen, wie sie mit diesem Thema umzugehen haben“, sagt Klingelhöfer. Darauf zu achten, dass im Nachwuchsbereich nach Möglichkeit kein Alkohol konsumiert werde, sei eine der „pädagogischen Fähigkeiten und Aufgaben, die jeder Nachwuchsbetreuer mitbringen muss“. In den Appell zu einem  gewissenhafteren Umgang mit dem Thema Alkoholmissbrauch am Lenkrad bezieht der Vorsitzende der Trainervereinigung aber auch die Sportvereine und die Trainer von Seniorenmannschaften mit ein.
 
„Ich lege den Finger in eine offene Wunde!“

„Es ist mir klar, dass ich damit den Finger in eine offene Wunde lege“, weiß der 64-Jährige. Andererseits müsse er – gerade als an den Hessischen Fußball-Verband angebundener Koordinator für Qualifizierung – bei der Fortbildung von Übungsleitern „auch aktuelle gesellschaftliche Themen anpacken“. Und dazu zähle eben auch der vielerorts „viel zu lasche Umgang“ mit dem Thema „Alkoholmissbrauch am Steuer“.

Weitere Informationen zur „BOB“-Kampagne:

Peter Hornof höchstselbst, Leiter des Regionalen Verkehrsdienstes Lahn-Dill und ehemaliger Spieler von Horst Klingelhöfer (früherer Trainer des SK Herbornseelbach und des SSV Langenaubach), wird anwesend sein, wenn am kommenden Freitag (24. Juli) ab 20 Uhr im Langenaubacher Sportheim ein öffentlicher Info-Abend der Trainervereinigung Dillenburg und des Polizeipräsidiums Mittelhessen zur BOB-Kampagne über die Bühne geht. Ursprungsland der Initiative, die ein Zeichen gegen den Alkoholmissbrauch am Steuer setzen soll, ist Belgien, wo bereits 97 Prozent der Bevölkerung wissen, was hinter der Aktion steckt. Wer seinen auffallenden Schlüsselanhänger vor sich auf den Tisch legt, gibt zu erkennen, nüchtern bleiben und keinen Alkohol trinken zu wollen. Holland kopierte diese Kampagne. Getragen wird die „BOB“-Kampagne auch vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHoGa). Dessen Mitgliedsunternehmen sind an einem speziellen „BOB“-Aufkleber erkennbar. Im November vergangenen Jahres konnte das heimische Polizeipräsidium den 100. BOB-Betrieb in Mittelhessen willkommen heißen. Nähere Einzelheiten sind bei der Direktion Verkehrsdienste des Polizeipräsidiums Mittelhessen unter Tel. (0641) 70063804 erhältlich. Mail-Anschrift: dvs.ppmh@polizei.hessen.de

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: