Bundesliga-Schiedsrichter und Verbands-Lehrwart Lutz Wagner: „Stillstand wäre Rückschritt!“

Schiri-Info: Lutz, Du bist mit 45 Jahren auf der Zielgeraden Deiner Karriere in der Bundesliga. Wie lange werden wir Dich dort noch pfeifen sehen?

Lutz Wagner: Bis zum Erreichen der Altersgrenze könnte ich noch ein weiteres Jahr in der Bundesliga Spiele leiten, doch es ist auch möglich, dass dies meine letzte Saison sein wird. Denn für mich ist es entscheidend, den Übergang von Tobias Welz in die Bundesliga zu schaffen.

Schiri-Info: Gutes Stichwort für die nächste Frage: Mit Dir als einzigem Schiedsrichter in der Bundesliga ist Hessen nicht besonders stark in Deutschlands höchster Spielklasse vertreten. Wen können wir in den nächsten Jahren dort oben erwarten?

„Wir stehen gar nicht so schlecht da“

Lutz Wagner: Prozentual stehen wir gar nicht so schlecht da. Zieht man von den 19 Bundesliga-Schiedsrichtern die sieben bayerischen Kollegen ab, bleiben nur noch 12 Plätze für die restlichen 20 Landesverbände übrig. In Hessen ist die Hierarchie Welz, Stieler, Kunzmann über Jahre gewachsen. Auch sind wir in der Regionalliga gut vertreten. Es gibt heute kaum noch blitzartige Aufstiege.

Schiri-Info: Wie konntest Du Deine Vorstellungen und Ziele, die Du bei Deinem Amtsantritt als VLW hattest, bis jetzt umsetzen? Was bedarf es noch umzusetzen?

Lutz Wagner: Ich bin jetzt schon acht Jahre dabei und muss sagen, in meiner ersten Amtszeit habe ich meine Vorstellungen nach und nach eingebracht und dabei alte Strukturen hinterfragt. Bewährtes beibehalten, aber auch Neues einbringen – das war die Vorgabe, die ich mir selbst gestellt hatte. In der zweiten Amtszeit galt es, die eingebrachten Änderungen zu verfeinern. In einer weiteren Amtszeit muss man diesen Prozess dann immer weiter vorantreiben, denn: Stillstand wäre Rückschritt! In der gesamten Zeit habe ich dabei immer ein klares Konzept verfolgt. Im Vergleich zu anderen Landesverbänden ist unser Lehrwesen wirklich gut aufgestellt, selbst der DFB übernimmt das ein oder andere von uns. Dies ist aber auch ein verdienst des ganzen Lehrstabes, denn nur im Team kann man auf dieser Ebene erfolgreich sein.

Schiri-Info: Kannst Du das etwas genauer beschreiben?

Lutz Wagner: Wichtig war es, die Ansprechpartner im Kreis beizubehalten und gleichzeitig Verbandsreferenten mit einzubinden. Desweiteren gilt es, die Kreise bei der Planung der Lehrarbeit zu unterstützen und einen Soll-/Ist-Vergleich im Kreis durchzuführen. Sinnvoll dabei ist es auch, einen ständigen Wechsel von Themen und Referenten zu haben. Dies gibt es bei anderen Verbänden so nicht. Ebenso notwendig ist es, dass der Lehrwart die Sprache der Schiedsrichter spricht und eine Art Trainer für sie sein soll.

(…)

„Ich möchte dem Schiedsrichterwesen einiges zurückgeben!“

Schiri-Info: Lutz, was machst Du nach Deiner Bundesliga-Karriere?

Lutz Wagner: Ich bin mit Leib und Seele Schiedsrichter und werde weiter das Schiedsrichterwesen unterstützen, ob Lehrwesen, Beobachtungen etc.. Ich möchte dem Schiedsrichterwesen einiges zurückgeben. Es wäre falsch, danach alles zu beenden. Eine weitere Amtszeit als Verbands-Lehrwart wäre bei einer Wiederwahl sehr schön. Was zählt, sind jedoch nicht an erster Stelle die Personen, sondern die Sache und das Tagesgeschäft.

Schiri-Info: Vielen Dank, Lutz, für dieses informelle Gespräch mit Dir. Wir wünschen Dir noch viel Freude bei Deinen Spielleitungen sowie bei Deiner Arbeit im Lehrwesen.

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